International diskutiert die Bikeszene gerade über Trails, die einfacher gemacht werden. In der Schweiz kommt die Debatte zur richtigen Zeit: Die Kantone planen ihre Velonetze, und damit fällt die Entscheidung, wie anspruchsvoll offizielle Trails werden.
von Robert Langer
Ende September hat ein bekannter US-Bikejournalist eine kleine Geschichte erzählt, die eine grosse Diskussion ausgelöst hat. Auf einem Trail in North Carolina gab es eine knifflige Stelle mit einem quer liegenden Baumstamm und einer steilen Steinstufe. Zwei Wochen später war der Stamm weg, abgesägt von jemandem, der den Trail nicht gebaut hatte. Sein Vergleich: Das sei, als würde man an einer Kletterroute Griffe ausschlagen, damit sie leichter wird. Hunderte Kommentare später ist klar, dass das Thema die Community weltweit beschäftigt.
Was Pflege ist und was nicht
In der Diskussion zeigt sich schnell eine wichtige Unterscheidung. Trails verändern sich, und sie müssen gepflegt werden. Ein ausgefahrener Weg mit Löchern, toten Wurzeln und ausgewaschenen Rinnen ist nicht anspruchsvoller, sondern beschädigt. Ihn instand zu stellen, ist Pflege. Glattbügeln beginnt dort, wo bewusst gebaute Schlüsselstellen verschwinden oder wo neben jedem Hindernis eine wilde Umfahrung entsteht, die den Weg immer breiter macht.
Warum die Frage in der Schweiz jetzt wichtig wird
Die Schweiz steht an einem besonderen Punkt. Mit dem Veloweggesetz des Bundes müssen die Kantone ihre Velonetze planen, und dazu gehören auch Mountainbike-Angebote. Der Kanton Zürich etwa hat an der Sportkonferenz im März sein Mountainbike-Konzept vorgestellt. Rund 150’000 Personen fahren dort Mountainbike, das sind acht bis zehn Prozent der Bevölkerung. Offizielle Mountainbike-Infrastrukturen gibt es im ganzen Kanton bisher sechs. In einem vom Kanton veröffentlichten Rechtsgutachten ist von mutmasslich mehr als 300 inoffiziellen Trails die Rede.
Gleichzeitig wird um die Koexistenz gerungen. Organisationen wie Schweizer Wanderwege, Swiss Cycling und SchweizMobil setzen sich gemeinsam für ein Miteinander auf geeigneten Wegen ein. Die Berner Wanderwege dagegen fordern eine möglichst konsequente Trennung von Wander- und Bikewegen.
| Wenn offizielle Trails nur noch für alle taugen, fahren die Könner weiter auf den inoffiziellen. Dann ist niemandem geholfen. |
Die Gefahr: Planung für den kleinsten gemeinsamen Nenner
Genau hier liegt die Lehre aus der internationalen Debatte. Viele Fahrer beklagen, dass Trailnetze zwei Extreme bieten: sehr leichte Linien und Profi-Strecken, dazwischen wenig. Wer offizielle Trails plant, steht unter Druck, sie möglichst breit, sicher und konfliktarm zu machen. Das ist verständlich. Wenn aber am Ende nur glatte Wege entstehen, bleibt die Nachfrage nach anspruchsvollem Gelände bestehen und wandert auf die inoffiziellen Trails zurück. Die Kanalisierung, die das Konzept eigentlich erreichen will, funktioniert dann nicht.
Die Lösung heisst Abwechslung: offizielle Netze mit leichten, mittleren und schweren Abschnitten, klar signalisiert. Die Singletrail-Skala bietet dafür eine bewährte Sprache. Blau steht für S0 und S1, Rot für S2, Schwarz für S3 bis S5. Ein S2-Trail darf durchaus zwei S3-Passagen enthalten, solange das angeschrieben ist.
Und die E-Bikes?
Über die Rolle der E-Mountainbikes wird in der Debatte am heftigsten gestritten. Die einen sagen, mit Motor stünden Leute schneller vor Abfahrten, für die ihnen die Erfahrung fehlt. Die anderen halten dagegen, dass Trails schon verändert wurden, bevor es Motoren gab. Unsere Sicht: Das Problem ist nicht der Motor, sondern fehlendes Wissen über Regeln und Rücksicht. Gerade auf Wegen, die man sich mit Wandernden teilt, ist dieses Wissen zentral.
Was du als Einsteigerin oder Einsteiger tun kannst
- Absteigen ist normal. Wer eine Stelle schiebt, macht alles richtig. Auf Wanderwegen haben Fussgängerinnen und Fussgänger ohnehin Vortritt.
- Keine Umfahrungen treten. Jede neue Spur neben dem Weg verbreitert ihn und schadet der Akzeptanz bei Wandernden und Grundeigentümern.
- Nichts verändern. Weder Hindernisse entfernen noch neue bauen. Auf offiziellen Strecken sind Gemeinden, Kantone oder Vereine verantwortlich.
- Sich einbringen. In vielen Kantonen arbeiten lokale Mountainbike-Vereine an den Netzplanungen mit. Wer dort mitmacht, kann mitreden, wie anspruchsvoll offizielle Trails werden.
- Gezielt üben. Fahrtechnikkurse und Pumptracks bringen mehr als jede Abkürzung.
Unsere Haltung
Bauen schlägt Verbieten, und die Schweiz baut gerade. Das ist eine Chance, die man nicht mit glatt gewalzten Einheitswegen verschenken sollte. Offizielle Netze werden dann akzeptiert, wenn sie auch das bieten, was Bikerinnen und Biker suchen: Herausforderung. Und für alle, die heute auf den bestehenden Trails unterwegs sind, gilt: Was andere gebaut haben, wird gefahren, geschoben und gepflegt, aber nicht nach dem eigenen Können umgebaut.
| Mehr Bike, weniger Moped. Und mehr Mut zur roten Linie. |
Published by Radical Life Studios / MTB Report
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