von Robert Langer
Wer in der Schweiz biken geht, trifft auf gleich drei Arten, Schwierigkeit zu beschreiben: die Einstufung der SchweizMobil-Routen, die Farben der Bikeparks und die Singletrail-Skala in Karten und Tourenportalen. Alle drei haben ihre Logik, keine lässt sich eins zu eins in die andere übersetzen. Ein Überblick, damit die nächste Abfahrt im Bündnerland keine böse Überraschung wird.
Das Schild ist blau, also «leicht». Hundert Meter später kommen Wurzeln, eine Stufe, eine enge Kurve, und du fragst dich, wer das eingestuft hat. In Rider-Foren ist das ein Dauerthema. Die ehrliche Antwort: Im Mountainbiken gibt es keinen gemeinsamen Standard. Jedes System misst mit seinem eigenen Massstab.
SchweizMobil: Technik und Kondition getrennt
Die Schweiz hat dabei etwas, das viele Länder nicht haben: ein nationales Routennetz mit eigener Bewertungslogik. Die Mountainbike-Routen von SchweizMobil werden nach dem Handbuch «Schwierigkeitsgrade Langsamverkehr» eingestuft, und zwar in leicht, mittel und schwer, getrennt für Technik und für Kondition.
Das ist klüger, als es auf den ersten Blick wirkt. Eine Route kann konditionell schwer sein (viele Höhenmeter, lange Fahrzeit) und technisch trotzdem leicht. Oder umgekehrt: kurz, aber anspruchsvoll in der Abfahrt. Im Routenmanual von SchweizMobil sind die Zielgruppen entsprechend beschrieben. Eine Tour-Route etwa ist technisch leicht bis mittel und hat 10 bis 40 Prozent Singletrails, die «technisch nicht zu anspruchsvoll» sind. Eine Enduro-Route liegt technisch bei mittel bis schwer, mit 40 bis 60 Prozent Singletrails, auch anspruchsvollen alpinen.
| Die Schweiz trennt, was andere in eine Farbe pressen: Technik und Kondition. |
Bikeparks: Blau, Rot, Schwarz
In den Bikeparks gelten die bekannten Pistenfarben. Der Alpenbikepark Chur zum Beispiel bietet fünf Trails in drei Schwierigkeitsgraden, blau, rot und schwarz, verteilt auf rund 1000 Höhenmeter bis hinunter in die Churer Altstadt. Auch das SchweizMobil-Manual nennt für Mountainbike-Pisten Farbstufen, etwa «blau» für leichte Pisten, die in Routen eingebunden werden können.
Wie streng ein Park seine Farben vergibt, legt er grundsätzlich selbst fest. Ein blauer Flowtrail mit Anliegern (überhöhte Kurven) und überrollbaren Wellen fordert ausserdem ganz andere Fähigkeiten als ein blauer Naturtrail mit Wurzeln und Steinen.
Die Singletrail-Skala: S0 bis S5
In Tourenportalen und Karten-Apps, die auf OpenStreetMap basieren, begegnet dir die Singletrail-Skala (STS). Sie reicht von S0 bis S5, ein offizielles S6 gibt es nicht. Sie bewertet nur die Technik, und zwar Abschnitt für Abschnitt.
- S0: flüssige Wald- und Wiesenwege, griffiger Boden, keine Stufen, weite Kurven.
- S1: flache Wurzeln, kleine Steine, Rinnen, bis 40 Prozent Gefälle, keine Spitzkehren.
- S2: grössere Wurzeln und Steine, oft loser Boden, Stufen, enge Kurven, passagenweise bis 70 Prozent.
- S3: verblockt, hohe Stufen, Spitzkehren, rutschiger Untergrund.
- S4: sehr steil und stark verblockt, Trial-Techniken nötig.
- S5: Geröllfelder, mehrere hohe Absätze hintereinander, kaum Auslauf.
Die Skala gilt für trockene Verhältnisse bei Tageslicht. Absturzgefahr, Nässe und Tempo sind nicht eingerechnet. Gerade im Hochgebirge, wo viele Trails ausgesetzt sind, ist das ein wichtiger Punkt: Ein S2 mit Absturzgefahr ist ein anderer Trail als ein S2 im Wald.
Drei Systeme im Vergleich
| System | Was wird bewertet | Stufen | Wo du es findest |
|---|---|---|---|
| SchweizMobil | ganze Route, Technik und Kondition getrennt | leicht, mittel, schwer | nationale, regionale, lokale MTB-Routen |
| Bikepark-Farben | einzelne Strecke, meist als Gesamteindruck | blau, rot, schwarz (teils grün) | Bikeparks, z. B. Chur |
| Singletrail-Skala | nur Technik, Abschnitt für Abschnitt | S0 bis S5, mit Plus und Minus | Tourenportale, Karten-Apps, Guides |
Eine offizielle Umrechnung zwischen den Systemen gibt es nicht. Wir erfinden deshalb keine.
Zum Vergleich der Nachbar im Osten: Tirol ordnet seine Singletrails einheitlich Farben zu, Blau steht dort für S1 bis S2. Die Farblogik der Singletrail-Skala selbst setzt S2 aber schon auf Rot. Gleiche Farbe, anderer Massstab.
Fünf Tipps für die nächste Tour
- Bei SchweizMobil beide Werte lesen. «Kondition schwer, Technik leicht» ist eine ganz andere Tour als «Kondition leicht, Technik schwer».
- Die härteste Stelle zählt. «S2 mit S3-Passagen» heisst: S3 fahren können oder bereit sein, kurz abzusteigen.
- Neuer Park, eine Farbe leichter. Die erste Abfahrt in einem unbekannten Park immer eine Stufe unter dem Gewohnten.
- Exposition mitdenken. Keine der Skalen bewertet die Absturzgefahr. Im Hochgebirge gehört dieser Blick fest dazu.
- Nässe einrechnen. Unsere Faustregel, kein offizieller Wert: bei nassen Wurzeln gedanklich eine Stufe draufschlagen.
Die Trennung von Technik und Kondition bei SchweizMobil ist ein Vorbild, das anderswo fehlt. Was noch fehlen kann: der technische Grad direkt am Trail und markierte Schlüsselstellen, vor allem dort, wo Routen, Pisten und freie Trails ineinander übergehen. Und für alle, die fahren: Keine Skala ersetzt den eigenen Blick. Anhalten, anschauen, entscheiden.
Published by Radical Life Studios / MTB Report
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