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von Robert Langer

Helmpflicht ohne Ausnahmen ausserorts, Autofahrer müssen beim Überholen spürbar bremsen, und in der Stadt gehört dir die Spurmitte. Was die spanische Verkehrsreform für Bikerinnen und Biker aus der Schweiz bedeutet.

Von Zürich, Basel oder Genf ist Palma in rund zwei Stunden erreicht, Gran Canaria in etwas mehr als vier. Spanien ist für viele Schweizer Bikerinnen und Biker die Winterverlängerung der Saison. Wer dieses Jahr fliegt, sollte eines wissen: Seit dem 1. Oktober 2026 gilt dort das Real Decreto 518/2026, die grösste Reform der spanischen Verkehrsregeln seit über zwanzig Jahren. Sie stellt Fussgänger, Motorradfahrer und Velofahrende ins Zentrum.

Helmpflicht ohne Hintertür

Ausserorts war der Helm in Spanien schon bisher vorgeschrieben, mit drei Ausnahmen: lange Steigungen, extreme Hitze und medizinische Gründe. Diese Ausnahmen gibt es nicht mehr. Der Verordnungstext begründet das sinngemäss damit, dass sie keinen Sinn ergäben.

Konkret heisst das: Wer das Dorf verlässt, trägt Helm, bergauf wie bergab, im Februar wie im Juli. Wer ohne erwischt wird, bezahlt eine Busse von 200 Euro, rund 190 Franken. Innerorts bleibt der Helm für Erwachsene freiwillig, für alle unter 16 Jahren ist er überall Pflicht.

Für Schweizer ist das ein echter Unterschied. Hierzulande gibt es fürs Velo keine Helmpflicht, vorgeschrieben ist der Helm nur auf schnellen E-Bikes.

In Spanien heisst es ab jetzt: Ortsschild vorbei, Helm auf.

Und auf Piste und Trail?

Die Helmpflicht hängt am Begriff «vías interurbanas», also an Strassen ausserhalb von Ortschaften. Ob eine Schotterpiste im Naturpark oder ein Singletrail darunter fallen, regelt die Reform nicht ausdrücklich. Eine Klarstellung der spanischen Verkehrsbehörde DGT haben wir nicht gefunden.

Praktisch ist das kaum ein Problem. Fast jede Tour hat Asphaltabschnitte, und auf dem Trail fährt ohnehin niemand ohne Helm. Wer darauf setzt, dass eine Piste keine Strasse ist, riskiert eine Diskussion mit der Guardia Civil.

Überholen: Abstand und Tempo

Die wichtigste Änderung betrifft die Autofahrer. Ausserorts müssen sie beim Überholen mindestens 20 km/h unter der Höchstgeschwindigkeit bleiben, auf Strassen mit mehreren Fahrstreifen pro Richtung komplett die Spur wechseln. Der Seitenabstand von 1,5 Metern bleibt. Gruppen gelten weiterhin als eine Einheit.

Das ist der eigentliche Fortschritt. Abstand allein schützt wenig, wenn jemand mit 100 vorbeizieht. Spanien setzt beim Tempo an, und genau dort entsteht das Risiko.

In der Stadt: Spurmitte statt Randstein

Wo kein Velostreifen existiert, sollen Velofahrende bevorzugt in der Mitte des Fahrstreifens fahren. Autos müssen innerorts mindestens fünf Meter Abstand halten. Gemeinden dürfen einspurige Strassen mit Tempo 30 oder weniger für Velos in Gegenrichtung öffnen. Das wird lokal unterschiedlich umgesetzt, also auf die Signalisation achten.

Unsere Einordnung

Die Reform geht in die richtige Richtung. Der Helm ist für Mountainbiker ohnehin selbstverständlich. Entscheidend ist, dass Spanien die Pflicht dorthin verschiebt, wo die Gefahr entsteht: zum Fahrer des schwereren Fahrzeugs. Spanische Medien berichten, dass die Guardia Civil die Überholregel in den ersten Monaten gezielt kontrollieren will.

Ob die Reform wirkt, zeigt sich nicht an der Zahl der Helmbussen, sondern daran, ob Autofahrer wirklich vom Gas gehen.

Das Wichtigste für deine Reise

  • Ausserorts Helmpflicht ohne Ausnahme, Busse 200 Euro (rund 190 Franken).
  • Unter 16 Jahren: Helm überall.
  • Mietvelo vor Ort? Vorher klären, ob ein Helm dabei ist.
  • Innerorts ohne Velostreifen: mittig im Fahrstreifen.
  • Piste oder Trail: rechtlich offen, Helm trotzdem auf.

Published by Radical Life Studios / MTB Report


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