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Veröffentlicht von den Radical Life Studios / MTB Report

von Robert Langer

Service-Artikel, dauerhaft relevant für jede Jagdsaison

Am 21. September startet in Graubünden die zweite Phase der Hochjagd, danach folgen in vielen Kantonen Reh- und Niederjagd. Gleichzeitig macht die Geschichte aus Chaumont wieder die Runde. Was damals wirklich passiert ist, was sich seither geändert hat und wie du mit wenig Aufwand sicher durch die Jagdzeit kommst.

Chaumont: Was 2018 passiert ist und was daraus wurde

Im November 2018 war ein Mountainbiker im Wald von Chaumont oberhalb von Neuchâtel unterwegs, als ihn ein Jäger ins Visier nahm. Der Biker trug ein gelbes Trikot. Geschossen wurde nicht, der Jäger erkannte seinen Irrtum. Später räumte er ein, «ein paar Bier» getrunken zu haben.

Der Fall wird derzeit wieder oft geteilt, meist ohne Datum. Das ist schade, denn gerade die Fortsetzung ist die eigentliche Nachricht. Der Neuenburger Grosse Rat hat danach eine Promillegrenze für die Jagd beschlossen. Seit Januar 2023 dürfen Jägerinnen und Jäger im Kanton Neuchâtel höchstens 0,5 Promille haben. Die kantonalen Wildhüter sind mit Atemtestgeräten ausgerüstet, bei Verstössen droht der Entzug des Jagdpatents für ein bis fünf Jahre. Zürich kennt dieselbe Grenze bereits seit April 2022.

Die Neuenburger Jägerschaft nahm das Gesetz zur Kenntnis, bezeichnete es aber als weitgehend überflüssig, weil Jäger ohnehin mit dem Auto anreisen und damit schon den Verkehrsregeln unterstehen. Sie betonte ausserdem, dass der Jäger von 2018 kein Mitglied des kantonalen Verbands war.

Aus einem Beinahe-Unfall wurde ein Gesetz. Das ist die eigentliche Geschichte von Chaumont.

Ein zweiter Fall, der oft im gleichen Atemzug genannt wird, stammt aus Forallac in Katalonien. Dort traf im Februar 2024 ein Jäger bei einer Treibjagd einen 54-jährigen Velofahrer, den er für ein Wildschwein hielt. Der Schütze war nüchtern. Beide Fälle zeigen: Weder helle Kleidung noch Alkoholgrenzen allein verhindern Fehler.

Zur Einordnung gehört auch: Jagdunfälle mit Verletzten sind in der Schweiz sehr selten. Das hielt das Westschweizer Fernsehen schon 2018 fest. Panik ist fehl am Platz, ein paar Minuten Planung vor der Herbsttour nicht.

Wann in der Schweiz gejagt wird

Die Jagd ist kantonal geregelt, die Termine unterscheiden sich deshalb stark. In den Patentjagd-Kantonen konzentriert sich die Hochjagd auf den September. In Graubünden sind dieses Jahr über 5000 Jägerinnen und Jäger unterwegs, in zwei Phasen vom 3. bis 13. und vom 21. bis 30. September. Obwalden jagt vom 1. bis 24. September, Reh- und Niederjagd folgen dort ab dem 5. Oktober, die Niederjagd dauert bis Ende November.

Das heisst: Die Jagd ist nicht nach drei Septemberwochen vorbei. Sie verlagert sich nur. Und sie fällt mitten in die schönste Bikezeit, wenn in den Bergen Wanderer, Biker und Jäger dieselben Wege und Hänge nutzen.

Warntafeln und Rechtslage

Warntafeln zur Jagd sind in der Regel ein Hinweis auf laufenden Jagdbetrieb und keine allgemeine Sperre von Wegen. Verbindliche Einschränkungen gibt es dort, wo sie ausdrücklich festgelegt sind, etwa in Wildruhezonen oder Schutzgebieten. Welche Regeln im Einzelfall gelten, hängt vom Kanton ab.

Unabhängig davon gilt ganz praktisch: Hinter so einer Tafel sind tatsächlich Menschen mit geladenen Waffen unterwegs. Eine andere Route zu wählen, ist keine Frage des Gehorsams, sondern gesunder Menschenverstand.

Wer trägt die Verantwortung?

Für einen Schuss ist der Schütze verantwortlich. Das Ziel zweifelsfrei anzusprechen, bevor abgedrückt wird, ist Grundregel jeder Jagdausbildung. Wer auf einem Weg unterwegs ist, ist kein Freiwild. Aber Recht zu haben, schützt nicht vor dem Fehler eines anderen. Deshalb lohnt es sich, das Risiko auf deiner Seite klein zu halten.

So bist du gut sichtbar und hörbar

Signalfarbe statt Tarnlook

Braun, Grau, Oliv und Schwarz verschwinden im Herbstwald und im Gelände über der Waldgrenze. Eine Warnweste, eine Jacke in Orange oder Neongelb, ein heller Helm oder ein Rucksacküberzug kosten wenig. Jäger tragen Orange aus gutem Grund: Hirsche und Rehe nehmen diese Farbe nach heutigem Wissen kaum als Signal wahr, Menschen dagegen sehr wohl. Chaumont zeigt aber auch, dass Farbe das Risiko senkt, nicht beseitigt.

Dämmerung meiden

Früh morgens und am Abend sind Wild und Jäger am aktivsten. Wer seine Tour in der Hochjagdzeit so plant, dass er tagsüber unterwegs ist, reduziert das Risiko deutlich.

Termine prüfen

Viele Kantone veröffentlichen ihre Jagdzeiten online, Graubünden etwa auf den Seiten des Amts für Jagd und Fischerei. Ein Blick vor der Tour lohnt sich, gerade wenn du in einem anderen Kanton unterwegs bist als sonst.

Bemerkbar machen

Hörst du Schüsse oder siehst du Jäger auf Posten: Wähl eine andere Route. Kommst du trotzdem in ein Gebiet mit laufender Jagd, bleib auf dem Weg, halte an und mach dich laut bemerkbar. Eine menschliche Stimme ist das zuverlässigste Signal.

Wenn etwas passiert

Wirst du mit einer Waffe ins Visier genommen oder beschossen: Ort genau merken und die Polizei unter 117 verständigen. Auch das ist eine Lehre aus Chaumont. Der damalige Präsident der Neuenburger Jägervereinigung bedauerte öffentlich, dass der Biker nicht sofort die Polizei eingeschaltet hatte.

Unsere Einordnung

Die Schweiz zeigt, wie man es richtig machen kann. Ein Kanton reagiert auf einen Vorfall mit einer klaren, kontrollierbaren Regel statt mit Schuldzuweisungen. Kantone wie Graubünden machen ihre Jagdtermine öffentlich zugänglich. Das nützt allen, die draussen unterwegs sind.

Luft nach oben gibt es trotzdem. Jagdtermine sind heute über viele kantonale Seiten verstreut und für Gäste aus anderen Regionen schwer zu finden. Eine gebündelte, einfach abrufbare Übersicht, so selbstverständlich wie der Wetterbericht, würde Konflikte vermeiden, bevor sie entstehen. Bis dahin bleibt die beste Lösung einfach: Signalweste in den Rucksack, Termine checken, und im September auch mal eine andere Linie fahren.

Jagdtermine sollten so einfach abrufbar sein wie der Wetterbericht.

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