750 Watt Wie eine Regel aus dem Wallis den E MTB Rennsport umkrempelt

VERÖFFENTLICHT VON DEN RADICAL LIFE STUDIOS / MTB REPORT

Die 750-Watt-Grenze, die den E-MTB-Rennsport gerade umtreibt, hat einen Schweizer Ursprung: Erstmals angewendet wurde das neue UCI-Zulassungsverfahren bei der WM 2025 im Wallis. Seit 2026 gilt es für alle UCI-Rennen. Und die Bosch eMTB Challenge macht mit Davos und Verbier gleich zweimal in der Schweiz Halt – das Thema ist bei uns also besonders nah dran. Bei der jüngsten Station in Whistler ging es an der Startlinie prompt durcheinander.

Worum es geht

Seit 2026 gilt für alle UCI-Rennen ein neues Zulassungsverfahren für E-MTB-Motoren. Die zentrale Grenze: maximal 750 Watt mechanische Leistung am Hinterrad. Getestet und freigegeben sind bisher genau sieben Antriebe – Aksoll, Avinox, Bosch, Polini, Shimano, Specialized und SRAM. Wer nicht auf der Liste steht, fährt nicht.

Der Haken für Avinox

Und hier wird es heikel. Der Avinox-Antrieb von DJI ist der Senkrechtstarter der letzten zwei Jahre. Die aktuelle M2S-Version leistet 1’500 Watt Spitzenleistung und 150 Nm Drehmoment – doppelt so viel, wie das UCI-Limit zulässt. Um überhaupt starten zu dürfen, hat Avinox eine eigene Rennversion geschaffen: die M2S Race750, per Software auf 750 Watt gedrosselt. Kein Umbau, bloss eine Firmware-Bremse. Erst damit steht der Motor auf der UCI-Liste. Bei der WM 2025 im Wallis war er noch aussen vor.

Avinox baut einen 1’500-Watt-Motor – und muss ihn per Software halbieren, um überhaupt starten zu dürfen.

Ausgerechnet Bosch richtet die Serie aus

Der eigentlich spannende Teil: Die Serie heisst Bosch eMTB Challenge – ausgerichtet vom Platzhirsch des Marktes. Und Bosch trifft die 750-Watt-Grenze mit seiner aktuellen Performance Line CX-R fast punktgenau. Der Newcomer muss also kräftig zurückstecken, während der etablierte Anbieter zufällig genau auf jener Linie sitzt, die zur Regel geworden ist. Man muss kein Zyniker sein, um da eine gewisse Ironie zu erkennen. Zur Einordnung: Das Preisgeld der Pro-Serie liegt bei rund 3’000 Euro (gut 2’800 CHF – Kurs vor Saisonende prüfen).

Was das für dich als Normalfahrer heisst

Die Entwarnung zuerst, denn sie ist wichtig: Wer ein Avinox-Bike auf dem Haustrail fährt, für den ändert sich – nichts. Die Drosselung betrifft ausschliesslich den Rennbetrieb. Dein Serienmotor bleibt, wie er ist. Die 750 Watt sind eine Wettkampfregel, keine Vorschrift fürs Trailbike.

Trotzdem lohnt der Blick aufs Ganze. «Mehr Bike, weniger Moped» ist bei uns nicht bloss ein Spruch. Wenn der Leistungswettlauf immer weiter dreht – 1’000, 1’500, irgendwann 2’000 Watt? –, geraten früher oder später auch Grundeigentümer, Behörden und die Trail-Zugänge ins Blickfeld. Gerade bei uns, wo E-MTB und SchweizMobil-Wege oft eng beieinanderliegen, ist das keine Kleinigkeit. Die UCI-Grenze wirkt da fast wie ein wohltuender Gegenpol.

Die Community ist gespalten

In den Foren geht die Debatte quer durch alle Lager. Die einen tippen darauf, dass ein gedrosseltes Avinox-Bike trotzdem gewinnt – so gut sei die Abstimmung. Andere halten das ganze E-Racing für ein von der Industrie erfundenes Format, nach dem niemand verlangt habe. Und wieder andere bringen den nüchternen Punkt: Wenn der beste Antrieb der Welt auch gedrosselt noch der beste ist, spricht wenig gegen ein vernünftiges Limit.

Wie es weitergeht, ist offen – vor allem, ob künftig auch andere Hersteller mit «Renn-Tune» und «Verkaufs-Tune» antreten. Fürs Erste bleibt festzuhalten: Hier hat einmal die Regel für Zurückhaltung gesorgt, nicht der Markt. Das darf man ruhig loben.

17. August 2026 · MTB Report


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